Nur noch ein Jahr

Kennst du das auch?
Ich hab öfter so Phasen,
wo Gedanken durch mich rasen –
so schnell, dass mir fast schwindlig wird.

Ich bin immer recht verwirrt,
wenn ich zu viele Sachen tu.
Mein Geist, der kommt dann nicht zur Ruh
und ich vergess, was wirklich zählt,
nämlich – dass man sich nicht quält.

Wenn´s dann doch mal still wird,
tief in mir drin,
ziehts mich zu größ´ren Fragen hin…

Mal angenommen, dir wär klar
du hast ab heute noch ein Jahr.
Nur noch ein Jahr und dann wär sie vorbei,
deine Zeit auf der Erde – du wärst nicht mehr dabei …

Hätt ich nur noch ein Jahr zu leben,
würd ich sofort allen vergeben
die mir wehgetan haben
und nicht gut zu mir waren
– vor allem mir selbst.

Statt „Wie geht´s?“ würd ich fragen:
„Bist du tatsächlich glücklich?“
Und wenn du´s nicht weißt:
„He…was willst du wirklich?“

Ich würd auf alle Zweifel pfeifen,
mich strecken, nach den Sternen greifen,
mich fragen, was ich immer schon wollte,
anstatt mir zu sagen, dass ich das jetzt nicht sollte.

Hätt ich nur noch ein Jahr zu leben,
ich würde nicht an Altem kleben
sondern Dinge verschenken,
die ich nicht mehr brauch –
und mich nicht länger ärgern,
falls ich doch wieder rauch´.

Ich würde Menschen umarmen,
die ich gar nicht kenn
und mir nichts daraus machen,
wenn ich morgens verpenn.

Ich würde mich nicht mehr selbst bescheißen,
sondern das Steuer an mich reißen
anstatt Dingen nachzurennen,
die mich vom Glücklichsein abtrennen.

Jeden Tag so zu leben
als ob´s der letzte wär,
klingt nach einem guten Plan –
aber im Alltag fällts oft schwer
zwischen Terminen und Pflichten
und sonstigen Geschichten.

Doch ich werd´ das überwinden
und eine Lösung für mich finden,
damit ich am Ende sagen kann:
Ich hab mein Leben nicht vertan …

Hätt ich nur noch ein Jahr zu leben,
würd ich der Welt noch viel mehr geben
von dem, was in mir verborgen ist.
Würd tagsüber neue Texte schreiben,
sie euch abends um die Ohren reiben,

würd auf die Straße gehen und singen,
anstatt mit Bühnenangst zu ringen.
Meine Gitarre würde im Park erklingen
und die Leute dort zum Lächeln bringen.

Ich würde meine Meinung sagen –
so laut, dass mich jeder hört
und ich würd mich nicht mehr fragen,
ob das irgendjemand stört?

Den Menschen die ich liebe
würd ich jeden Tag sagen,
wie froh ich bin, dass es sie gibt
und ich würde nie mehr klagen

über Stress und über´s Wetter,
würd mit niemandem mehr streiten
und wär auch zu all jenen netter,
die mir eher Frust bereiten.

Hätt ich nur noch ein Jahr zu leben –
würd ich es zum Event erheben!
Ich würd ein Floß aus Holzbrettern bauen
und mich damit aufs Wasser trauen.

Würd mir Seifenblasen kaufen
und durch Weizenfelder laufen.
Würd einen großen Schneemann bauen,
mich samt Snowboard in den Tiefschnee hauen.

Ich würd nochmal ans Meer fahren,
um die Wellen zu sehen
und barfuß durch den nassen Sand
am Strand entlang spazieren zu gehen.

Mit einem Zelt im Wald übernachten
und dann morgens ganz still
den Sonnenaufgang betrachten.

Ich würde öfter Pausen machen
und einmal täglich so viel lachen,
dass ich fast vom Sessel flieg
und Bauchmuskelkater krieg.

Hätt ich nur noch ein Jahr zu leben
ich würd nach meinen Träumen streben.
Ich würde Kinderbücher schreiben
und wenn ich zu Thalia geh
platzen vor Stolz wenn ich meine Geschichten
dort in den Regalen stehen seh.

Würd nur mehr das tun,
was ich mag und gut kann.
Würd den Augenblick genießen
und zwar ohne Masterplan.

Jeden Tag so zu leben
als ob´s der letzte wär,
klingt nach einem guten Plan.
Aber wann fang ich damit an?
Nach den Terminen, den Pflichten
und sonstigen Geschichten?

Nein … ich muss das überwinden
und eine Lösung für mich finden,
damit ich am Ende sagen kann:
Ich hab mein Leben nicht vertan …

Wir könnten so viel mehr
doch wir tun es leider nicht,
sondern verschieben es auf morgen.
Auf einen Tag ganz frei von Sorgen.

Aber wenns blöd läuft
kommt der nie –
und wir verstehn die Ironie
erst viel zu spät.
Nämlich dann,
wenn nichts mehr geht.

Der allerletzte Tag
wurde uns allen mitgegeben,
denn in Wahrheit ist der Tod
das einzig Sichere im Leben

und niemand kann dir sagen,
wieviel Zeit dir wirklich bleibt
weil das Schicksal Ablaufdaten
mit unsichtbarer Tinte schreibt.

Mal angenommen dir wär klar
du hast ab heut nur noch ein Jahr –
würdest du dann auch aufwachen
und vieles einfach anders machen?

Jeden Tag so zu leben
also ob´s der letzte wär,
klingt nach einem guten Plan.
Ich glaub ich fang gleich heute an,
damit ich schon morgen sagen kann:
Ich hab mein Leben nicht vertan.

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